• Die Euthanasie-Gedenkstätte des Kalmenhofs in Idstein auf dem Veitmühlenberg, Aufnahme von Frank Winkelmann (Lizenz von CC BY 3.0)

Grüne fordern Lokalisierung des Gräberfeldes auf dem Idsteiner Kalmenhof

Pressemitteilung

21. Jan. 2017 –

Vitos Teilhabe will Besuchern mehr Informationen vermitteln, so der Artikel in der Idsteiner Zeitung vom 19.01.2017. Man habe verschiedene Info-Tafeln auf dem Gelände aufgestellt und eröffne so die Möglichkeit, sich über die Geschichte zu informieren. Dazu gehört auch die grauenvolle Vergangenheit in der NS-Zeit.
„Wir Idsteiner Grüne nehmen Vitos bei ihrem Engagement zur Information ernst. Dazu gehört aber auch der Wille zur Aufklärung. In diesem Sinn fordern wir die Gesellschaften Vitos Teilhabe, Vitos Rheinhöhe und vor allem den LWV auf, die dunkle Vergangenheit des Kalmenhofs nun endlich ordentlich historisch aufzuarbeiten. Nur Namensgebungen reichen hier nicht aus.“ so Timo Müller, Bundestagskandidat der Grünen aus Idstein.
Beispielsweise sollte nun endlich geklärt werden, wo die Ermordeten begraben sind.
Von den weitaus mehr als 600 auf dem Idsteiner Kalmenhof ermordeten Kindern, Jugendli-chen und Erwachsenen sind etwa 370 Opfer auf einer bis heute nicht klar definierten Fläche nahe des Kalmenhof Krankenhauses verscharrt worden. Nach bisherigem Kenntnisstand wurde 1982 lediglich eine Probegrabung im Bereich der heutigen Gedenklandschaft vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge durchgeführt. Hierbei wurden zwei Gräber gefunden. Über weitere Untersuchungen zur Ortung der anderen etwa 350 Gräber ist bis heute nichts bekannt.
Den Ermordeten wurde ihr Leben gewaltsam genommen. Nachdem ihre Einstufung als „Unwertige“ durch die NS-Ideologie erfolgt war, mussten sie auf dem Kalmenhof menschenunwürdigste Lebensbedingungen erdulden. In den Sterbeurkunden sind gefälschte Todesursachen angegeben und sie wurden ohne Kenntlichmachung der Grabstätten auf unwürdige Art und Weise verscharrt. Bis es zu einer ersten Erinnerung an die auf dem Kalmenhof Ermordeten kam, dauerte es annähernd vier Jahrzehnte. Es ist an der Zeit, den Toten ihre Würde und ihre Lebensgeschichte wiederzugeben. Dazu gehört nicht nur die Aufarbeitung der Biografien der Ermordeten, sondern auch die zweifelsfreie Ortung der Gräber da nur so die Auflagen der Bundesregierung zum Gräbergesetz erfüllt werden können, unter die auch die Grabstätten von sog. „Euthanasieopfern“ fallen.
In diesem Zusammenhang verweist die Grüne Fraktionsvorsitzende Annette Reineke-Westphal auf den 1956 unter großem finanziellen Aufwand eingerichteten Idsteiner Kriegsgräberfriedhof, auf dem die Namen der Toten, darunter auch Angehörige der SS genannt werden, wo vorbildliche pädagogische Arbeit geleistet werde und es auch Bemühungen gebe, die Biografien der dort Bestatteten zu rekonstruieren. Für die lange vergessenen Opfer der sog. „Euthanasie“ dürften, so die Auffassung der Grünen in Idstein, nicht weniger Anstren-gungen unternommen werden, als für an Kriegsfolgen verstorbene Soldaten. Vor diesem Hintergrund dürfe der Tatort des Massenmordes, das Kalmenhof-Krankenhaus nicht aus der lokalen Erinnerung ausgelöscht werden wie es auch erforderlich sei, die Öffentlichkeit über das tatsächliche Ausmaß des Gräberfeldes nicht weiter im Ungewissen zu lassen. 
„Diese umfassende Aufklärung über die zweifelsfreie Lokalisierung des Gräberfeldes muss einer weiteren Entwicklung des ehemaligen Klinikgeländes in jedem Fall vorausgehen.“ fordern die Idsteiner Grünen eine auf dem Idsteiner Kalmenhof. Dies ist, so Timo Müller auch unbedingt erforderlich, um den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 14.07.2016 umsetzen zu können. Dieser besagt, dass keine Baumaßnahmen auf dem Gelände ergriffen werden, solange nicht zweifelsfrei die genaue Position der Gräber bestimmt wurde. Hiervon muss sich auch die einberufene Kommission zur Verwendung des Klinikgeländes leiten lassen.
Immer mehr von den furchtbaren Vorgängen der NS-Geschichte gerät in Vergessenheit. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der Populisten wieder Gehör finden, darf die Gesellschaft das nicht zulassen. „Nach meiner Meinung gehört dazu, wie auch der Kommentator der Idsteiner Zeitung, Volker Stavenow deutlich gemacht hat, dass das „Mord-Krankenhaus“ als Gedenkstätte seiner unsäglichen Geschichte dienen kann“, so Annette Reineke-Westphal.
Soweit die verantwortlichen Gesellschaften LWV, Vitos Teilhabe und Rheinhöhe die Aufklärung ernst nehmen, stellen sie sich den Notwendigkeiten. 
Ein kleiner Anfang kann dabei z.B. schon sein, dass der neu aufgestellte Lageplan nicht am Kalmenhofhauptgebäude und Buchenhaus aufhört, sondern auf die Gedenkstätte hinweist. Dies ist leider vergessen worden.

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