„Die Namen der Ermordeten im Idsteiner Stadtbild sichtbar machen“

Gedenkort Kalmenhof e.V. zum Volkstrauertag 2020

13. Nov. 2020 –

Zum Volkstrauertag 2020 hat der Verein Gedenkort Kalmenhof e.V. einen mobilen Gedenkort geschaffen, auf dem die Namen der vielen hundert, im ehemaligen Kalmenhof-Krankenhaus ermordeten Menschen sichtbar gemacht werden. Auf fünf dunkel hinterlegten Roll-Ups können nun die Namen, Herkunftsorte wie auch Lebensdaten der im Idsteiner Kalmenhof ermordeten Menschen eingesehen werden.

Nach Auffassung des Vereins Gedenkort Kalmenhof e.V. ist ein individualisierte Gedenken an die in Idstein bisher namenlos gebliebenen Kalmenhof-Opfer überfällig. Wissenschaftliche Grundlage der nun öffentlich einsehbaren Namensliste ist die von Vereinsmitgliedern erstellte, überarbeitete und aktualisierte Übersicht der im Kalmenhof Ermordeten auf der Grundlage der im Stadtarchiv Idstein und im Personenstandsarchiv Marburg aufbewahrten Sterberegister.    

Seit der Befreiung vom Nationalsozialismus vor nunmehr 75 Jahren sind die Namen der Kalmenhof-Opfer im Stadtbild unsichtbar geblieben. Dies gilt sowohl für den Ort der Verbrechen, das ehemalige Kalmenhof-Krankenhaus, wie auch für die Grablagen der Opfer auf dem städtischen Friedhof der Stadt Idstein, dem jüdischen Friedhof und dem 1942 als Anstaltsfriedhof ausgewiesenen Gelände oberhalb des Krankenhauses.

Während für den auf dem Kalmenhof-Gelände liegenden Anstaltsfriedhof im Jahr 1983 eine Gräberliste mit den Namen von 353 dort verscharrten Ermordeten erstellt wurde, besteht bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Unsicherheit, wie viele und welche Namen den eingeebneten Gräberfeldern auf dem Friedhof der Stadt Idstein und dem jüdischen Friedhof zuzuordnen sind.

Mit Betroffenheit haben die Mitglieder des Vereins zur Kenntnis genommen, dass die in den vergangenen Monaten durchgeführten Untersuchungen auf dem Gelände des Anstaltsfriedhofes bisher keine validen Erkenntnisse zu dessen ursprünglichem Ausmaß möglich gemacht haben. Die von der Staatsanwaltschaft im Rahmen des Kalmenhof-Prozesses beschriebenen Grablagen konnten bisher nicht vollständig aufgefunden werden. Nicht nur am Volkstrauertag wird deutlich, dass die Gräber der Opfer von NS-Gewaltherrschaft und Krieg für Angehörige und Nachkommen der Toten zentrale Orte der Trauer und des Gedenkens sind. Umso notwendiger ist das namentliche Gedenken, das in der vom Verein Gedenkort Kalmenhof e.V. gewählten Form auch die Möglichkeit bietet, die Namen an verschiedenen Orten in Idstein und Umgebung sichtbar zu machen.           

Die Roll-Ups mit den sämtlichen, bisher bekannten Namen der Kalmenhof-Opfer werden im kommenden Jahr mit exemplarischen Biografien von ehemaligen Bewohnern des Kalmenhofes ergänzt. Somit soll eine mobile Ausstellung im variablen Baukastensystem entstehen, die für das regionale Gedenken wie auch die Bildungsarbeit in Schulen und Institutionen nutzbar gemacht werden soll.

Für die Mitglieder des Vereins Gedenkort Kalmenhof e.V. steht fest, dass der mobile Gedenkort nur eine Übergangslösung sein kann: Langfristig sollen die Grablagen der auf dem Kalmenhof Ermordeten nach dem Vorbild der Idsteiner Kriegsgräberstätte gestaltet werden: im 75. Jahr nach Ende der NS-Schreckensherrschaft ist die Gleichbehandlung aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft das Gebot der Stunde.

Neben dem würdigen namentlichen Gedenken mahnt der Verein Gedenkort Kalmenhof e.V. die Umsetzung der Empfehlungen der im August 2019 durchgeführten „Zukunftswerkstatt“ an: Einheitlich war von der überwiegenden Anzahl der Anwesenden die würdige Gestaltung des Anstaltsfriedhofs mit namentlichem Gedenken wie auch die Einrichtung eines Lern- und Gedenkorts im ehemaligen Kalmenhof-Krankenhaus gewünscht worden. Für das namentliche Gedenken an die im Kalmenhof Ermordeten ist der Verein Gedenkort Kalmenhof e.V. nun in Vorlage getreten. Das hessische Landesamt für Denkmalpflege hat im Sommer 2020 sowohl die Leichenhalle wie auch das Krankenhaus unter Denkmalschutz gestellt und die Einrichtung eines Lern- und Gedenkortes im ehemaligen Kalmenhof-Krankenhaus aufgrund der historischen Relevanz dieser beiden Tatorte nahe gelegt. Somit ist nach Auffassung der Mitglieder des Vereins Gedenkort Kalmenhof e.V. der Weg für die Empfehlungen der Zukunftswerkstatt geebnet.

Für den Verein Gedenkort Kalmenhof e.V.

 

Kontaktadresse:
Gedenkort Kalmenhof e.V.
Martina Hartmann-Menz M.A.
Geschäftsstelle:
Saalburgweg 12
65510 Idstein

015773437783

hartmann_menz@remove-this.gmx.de

 

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