• Mehr als 500 Idsteiner Bürgerinnen und Bürgen gingen auf die Straße ©Stefan Gärth
  • Jung und alt – ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen die Zerstörung unseres Planeten © Stefan Gärth
  • © Stefan Gärth
  • Zwei der Organisatoren: Beate Melischko und Stefan Tauber © Stefan Gärth
  • ©Stefan Gärth
  • ©Stefan Gärth
  • ©Stefan Gärth

Großer Erfolg für Idstein

Mehr als 500 Idsteiner gingen für Klimaschutz auf die Straße

22. Sep. 2019 –

Der 20.9. stand in vielen Städten im Zeichen einer großen Umkehrbereitschaft. Mehreren Millionen Menschen waren – über den ganzen Globus verteilt – beteiligt an tausenden Demonstrationen. Allein in Deutschland fanden weit über 500 Aktionen mit rund 1,4 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Es ist ein gutes Zeichen für unsere Stadt, dass sich auch in Idstein viele Menschen für eine andere Klimapolitik stark gemacht haben. Um 17 Uhr starte ein Protestzug am Idsteiner Bahnhof, zog durch die Innenstadt und endete mit einer Kundgebung auf dem König-Adolf-Platz.

Wir dokumentieren die Rede von Stefan Tauber, einem der Organisatoren:

Guten Abend,

mein Name ist Stefan Tauber und ich bin Mitorganisator der heutigen Demonstration hier in Idstein. Aber warum habe ich das organisiert und mitgestaltet?

Dazu möchte ich den französischen Schauspieler und Theaterdirektor Moliére zitieren: "Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun."

Wir müssen handeln und gesellschaftliche sowie politische Änderungen einfordern - deswegen stehe ich heute Abend hier vor Ihnen.

Ich bin traurig, aber vor allem entsetzt darüber, wie die Menschheit in den letzten Jahrzehnten mit unserem Planeten Erde umgegangen ist und uns unser eigenes Verhalten nun langsam aber sicher an den Abgrund unserer bisher bekannten Lebensgrundlage gebracht hat!

Wann haben SIE das letzte Mal am Strand gesessen und dem Sonnenuntergang zugeschaut? Wann haben SIE das letzte Mal Demut gefühlt bei dem Gedanken an die Entstehung unseres Planeten? In etwa 4,6 Milliarden Jahren erdgeschichtlicher Entwicklung ist ein so sensibles ökologisches Gleichgewicht entstanden, aus dem letztenlich ein so vielfältiges Leben hervorgehen konnte. Ein Vorgang, der nach heutigem Wissenstand der Forschung EINZIGARTIG ist in unserem Universum - es gibt keinen Planet B!

So leben heute nach neusten wissenschaftlichen Schätzungen rund 8,7 Millionen verschiedene Arten auf unserer Erde (ohne Berücksichtigung von Unterarten und Rassen). Und an der Spitze der Evolution stehen wir - der Mensch - also wir selbst! Quelle 

Doch was unterscheidet uns Menschen von all den anderen Arten, Tieren und Pflanzen? Das hauptsächliche Unterscheidungskriterium ist der menschliche Geist. So werden wir in die Lage versetzt, kausale Zusammenhänge zu erkennen, Werkzeuge und Maschinen zu erschaffen und ethisch-moralische Prinzipien zu entwickeln und danach zu handeln. Vor allem aber erlauben uns Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Antizipation, Konzeption und Kommunikation die Selbststeuerung unseres Schicksals und die Änderung unserer Lebensweise. Quelle

Dennoch sind wir es, die einzige Spezies unter den 8,7 Millionen Arten, die ihre eigene Umwelt zerstört, die Atmosphäre verpestet und die Ozeane vermüllt. Hier einige Beispiele:

  1. Pro Sekunde werden 90 coffee-to-go Becher weggeworfen, ein kurzer Genuss. Quelle
  2. Jährlich werden in Deutschland 30.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel versprüht - was zu einem nie zuvor gesehenen Artensterben von Insekten bis hin zu Vögeln führt. Laut NABU ist die Biomasse an Fluginsekten alleine in den letzten 27 Jahren um 75% zurückgegangen, über die Hälfte der Bienen sind in Ihrem Bestand gefährdet und einige der Vogelbestände haben über 20% abgenommen. Quelle
    Alleine die DB hat 2018 57 Tonnen Glyphosat eingesetzt, um die Schienen sauber zu halten - aus Kostengründen. Quelle 
  3. Jährlich gelangen 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Weltmeere, Schätzungen gehen davon aus, dass schon 150 Millionen Tonnen in den Meeren treiben. Alleine im Pazifik eine Fläche so groß wie Zentraleuropa. Quelle 
  4. Pro Jahr werden rund 160.000 Quadratkilometer Wald, zumeist Regenwald, abgeholzt, das entspricht fast der halben Fläche Deutschlands und 42 Fußballfeldern pro Minute!!! Für Tropenholz, Plantagen für Rinder, Soja und Palmöl oder Gold-, Eisenerzminen sowie Kohle und Öl. Quelle 
  5. Jährlich stoßen wir 41.000 Millonen Tonnen CO2 aus - das wichtigste von Menschen freigesetzte Treibhausgas. So liegt die CO2 Konzentration heute bei rund 410 ppm (Im Vergleich dazu: 1750 bei 285ppm / eine Steigerung um 44%) und damit so hoch wie zuletzt vor 3 Millionen Jahren. Als Folge ist die Durchschnittstemperatur seit dem Beginn der Industrialisierung schon um 1° Celscius gestiegen - in Deutschland sogar um 1,4° und die Folgen sind dramatisch:
  • Hitze und Trockenheit führen zu Bodenverlust und Wassermangel, Felder und Wälder brennen und gefährden unsere Gesundheit und Ernährung
  • Der Lebensraum und die Lebensgrundlage von Millionen von Arten wird zerstört und die Arten damit ausgelöscht
  • Eine Anhäufung starke Unwetter bei denen Unmengen an Starkregen fallen und enorme Schäden verursachen
  • Das ewige Eis an Nord- und Südpol schmilzt, und es kommt zu einem Meeresspiegelanstieg, der rund 200 Millionen Menschen in Küstenregionen bedroht
  • Gleichzeitig schmelzen unsere Gletscher in den Bergen und gefährden die Wasserversorgung und die Existenz von Flüßen und Seen
  • Experten rechnen in Zukunft mit bis zu 450 Millionen Klimaflüchtlingen weltweit, was für eine unvorstellbare Zahl! Die UN-Klimaforscher halten einen Temperaturanstieg um bis zu 6,4 Grad Celsius weltweit bis 2100 für möglich, wenn die Emissionen nicht drastisch sinken und geben uns noch rund zehn Jahre, bis der Punkt erreicht ist, an dem das Klimasystem kippt. Das Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zubegrenzen, wäre danach nicht mehr zu erreichen. Quelle1 Quelle2 

Doch was sind die größten CO2 Quellen? Laut dem Umweltbundesamt fallen über 84% der Treibhausgasemissionen alleine durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe an. Die größten Bereiche stellen hierbei dar:

  1. Die Energiewirtschaft mit fast 50%, insbesondere die Kohlekraftwerken
  2. Der Verkehr und die Wärmegewinnung / Ölheizungen
  3. Die Landwirtschaft
  4. Die Abholzung und Brandrodung unserer Wälder

Wie groß ist Ihr CO2 Fußabdruck? Schauen Sie doch mal bei dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes rein - denn im Durchschnitt stößt jeder von uns 12 Tonnen CO2 pro Jahr aus - fast das 5-fache / ein Vielfaches dessen (2,5 t CO2-eq), was wir brauchen, um die Klimaschutzziele zu erreichen! Einen spannenden Selbstversucht finden Sie unter eingutertag.org!

Ich komme zurück zu meiner Frage: Was unterscheidet uns Menschen von den anderen Arten, Tieren und Pflanzen? Trotz unseres Geistes und dem Bewusstsein die Folgen unseres eigenen Handels bewerten zu können, tragen wir zur Erwärmung unseres Planeten bei, zerstören wir von Millionen von Arten und letztenlich unsere EIGENE Lebensgrundlage!

Wir wollen, dass es uns und unseren Kindern an nichts fehlt, doch wenn wir Ihnen heute alles geben, dann bleibt nichts mehr für morgen und künftige Generationen übrig. Also was wollen wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen? Einen, wie wir ihn kennen gelernt haben, blauen Planeten Erde voller Leben und Vielfalt? Oder lieber eine "heiße Sandwüste", in der wir die Lebensgrundlage von Millionen von Lebewesen, vor allem auch die eigene, zerstört haben?

Klimaschutz können wir nur GEMEINSAM schaffen - Daher gehen heute weltweit tausende Menschen jeden Alters auf die Straße und fordern mehr Einsatz für den Klimaschutz und eine zielgerichtete Klimapolitik. WIR ALLE sind gefragt, daher fordere ich jeden auf, sich seiner eigenen Rolle und seiner Macht als Konsument bewusst zu werden, eigenes Handeln zu reflektieren und zu hinterfragen, zu ändern, und von der Politik Änderungen einzufordern, so dass Rahmenbedigungen geschaffen werden, mit denen die 2015 in Paris beschlossenen Klimaschutzziele erreicht und eingehalten werden und der globale Temperaturanstieg auf 1,5° Celscius begrenzt wird.

Lassen Sie uns hier vor Ort mit gutem Beispiel vorangehen! Lassen Sie uns gemeinsam arbeiten, Workshops organisieren und Ideen austauschen, Projekte starten, Dinge teilen, aber vor allem miteinander reden!

Was können wir heute schon tun?

  1. Wir wechseln Sie zu einem Ökostromanbieter oder installieren eine PV-Anlage und nutzen unsere Energie effizient
  2. Wir verringern unseren Wärmebedarf: Jedes Grad spart rund 6% Energie
  3. Wir verringern unseren Fleisch-, Milch- und Eierkonsum und kaufen regional, saisional und biologisch ein, am besten unverpackt
  4. Wir machen Urlaub in Deutschland, am besten mit Bus, Bahn und Rad und verzichten auf Flugreisen und Kreuzfahrten, die größten Klimakiller
  5. Wir lassen öfter das Auto stehen und fahren mit dem Rad, dem ÖPNV oder gehen zu Fuß. Wenn sich die Autofahrt nicht vermeiden lässt, fahren wir vorausschauend und bilden Fahrgemeinschaften
  6. Wir legen unser Geld bei einer Bank an, die mit Ihren Einlagen nachhaltige, soziale und ökologische Projekte unterstützt statt Atomenergie, Kohle und Waffen
  7. Wir kompensieren nicht vermeidbare CO2-Emissionen und unterstützen Aufforstungsprojekte, so wird CO2 langfristig gebunden, neue Lebensräume geschaffen und wertvolle Zeit gewonnen.

Was kann die Stadt Idstein nun tun?

Machen Sie endlich Ihre Hausaufgaben und werden Sie sich Ihrer Pflichten als Volksvertreter bewusst!

  1. Mit gutem Beispiel vorangehen und Energiesparprojekte in öffentlichen Gebäuden umsetzten (KITAS, Verwaltung), ein Energiemanagement aufbauen und auf Green-IT umstellen
  2. Die empfohlenen Maßnahmen des nun fortgeschriebenen Klimaschutzkonzepts umsetzten, denn hier ist in den letzten Jahren zuwenig passiert!
  3. Einen Klimaschutzmanager einstellen, der größtenteils aus Fördermitteln finanziert werden kann
  4. Den Aufbau von Kraft-Wärme-Kopplung Infrastruktur, für die es derzeit sehr gute Förderungen gibt, v.a. im Altstadtkern, Schaffung großer Wärmeinseln und Vorranggebiete für Fernwärme
  5. Kommunale Förderprogramme zur Gebäudesanierung
  6. Förderung des Gewerbes im Bereich PV, KWK undEnergieeffizienzberatung
  7. Ein nachhaltiges Verkehrskonzept (Reduzierung Autoverkehr, Erhöhung Fuß-Rad-ÖPNV)
  8. Schutzmaßnahmen für Wald sowie Aufbau und Erhalt von Grünflächen innerhalb der Stadt
  9. Ordnungspolitische Maßnahmen wie:
  • Überprüfung von Bebauungsplänen
  • Festlegung energetischer Standards in Bebauungsplänen
  • Verkauf eigener Grundstücke nur mit energetischen Auflagen
  • Beratung für Empfänger von Sozialleistungen

Was kann die Bundesregierung tun?

  1. Mit gutem Beispiel voran gehen und Sicherstellung, dass die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erreicht werden
  2. Kohleausstieg bis 2030 und 100 % erneuerbare Energieversorgung bis 2035 sowie das Ende der Subvention für fossile Energieträger
  3. Eine Bepreisung von Treibhausgasemissionen, die so hoch ist, wie die Schäden, die durch die Emission enstehen
  4. Förderung einer ökologischen und sozial gerechten Waldwirtschaft
  5. Stopp von Zerstörung der Wälder und anderer Ökosysteme und Schutz von 10% der öffentlichen Wälder als "Urwälder von morgen"
  6. Eine ökologische, nachhaltige und soziale verträgliche Nutzung der Meere sowie die Schaffung eines Netzwerkes von Meeresschutzgebieten auf 40% der Ozeane und sofortiges Verbot von Tiefseeausbeutung
  7. Förderung einer ökologisch und sozial verträglichen Landwirtschaft ohne den Anbau von Genpflanzen und ohne Pestizide in Obst undGemüse durch Anpassung von Agrarsubventionen hin zu ökologischer Landwirtschaft
  8. Kostengünstige und attraktive Mobilität im ÖPNV durch ein 365 EUR-Jahresticket. Investitionen in den Ausbau des ÖPNV und des Schienennetztes. Schiene vor Straße!
  9. Anpassung des Gebäudeenergiegesetztes, welches klimaneutrale Neubauten zum Standard macht und damit die EU-Gebäuderichtlinie ersetzt.

Liebe Demonstranten, Mitbürger*innen, Angestellte der Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker*innen:

Lassen Sie uns GEMEINSAM mit gutem Beispiel vorangehen.

Veränderungen heißen erstmal das Loslassen alter Werte und Vorstellungen und das Ausprobieren neuer, bisher unbekannter Wege. Aber Entscheidungen, die mit unserem menschlichen Geist, basierend auf Nachhaltigkeit, Vernunft und im Sinne des Gemeinwohls getroffen werden, bringen uns neue Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten, aber vor allem eines: Die SICHERUNG unserer Lebensgrundlage und die Bewahrung unseres Planeten ERDE! Denn es gibt keinen Planet B!

Vielen Dank!

« Zurück | Nachrichten »

22. Okt, 19:30 Uhr

Vortrag »Der Kalmenhof-Friedhof«

Wie konnte es sein, dass die Gräber vergessen wurden?

07. Nov, 19:00 Uhr

Stadtverordnetenversammlung

11. Nov, 19:00 Uhr

Kreismitgliederversammlung

Grüner Kreisverband Rheingau-Taunus

Diese Website ist gemacht mit TYPO3 GRÜNE. Hosting und Wartung Meinhardt Verlag und Agentur