Klimagutachten Idstein und die Folgen

Mittlerweile ist es für einen Großteil der Bevölkerung unstrittig, dass wir uns mit der globalen Erwärmung in einer Klimakrise befinden und diese menschengemacht ist.

Die bisher ergriffenen Maßnahmen, sind nicht ausreichend, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen.

Regierungen und Verwaltungen müssen Maßnahmen ausarbeiten, die über den derzeitigen Stand hinausgehen und geeignet sind, die menschengemachte globale Erwärmung aufzuhalten.

Diese Maßnahmen haben höchste Priorität und sind nicht mehr aufschiebbar.

Das gilt auch für Idstein. Wir haben die globalen Zusammenhänge verstanden, nun müssen wir – Wirtschaft, Politik und Verwaltung, Bürger und Bürgerinnen - lokal handeln.

Bereits 2011 wurde auf Basis von ökologischen Daten von 2008 ein Klimagutachten erstellt, das 2011 in ein Klimaschutzkonzept mündete und politisch zur Umsetzung beschlossen wurde.

Haupttreiber am CO2 Ausstoß sind Heizung und Warmwasseraufbereitung.

Ziel war die Verbesserung der CO2 Bilanz mit der Reduktion von CO2 um 20% gegenüber dem Jahr 2007 bis 2020 (Verringerung von 6,21 auf 4,97 t/EW), der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung und die Erhöhung des Erneuerbare Energien Anteils.

Die seinerzeit vom Gutachter vorgeschlagenen Maßnahmen, u.a. in den Bereichen Gebäude (Heizung und Warmwasseraufbereitung) und Mobilität wurden von der Idsteiner Verwaltung jedoch nicht umgesetzt, sodass wir nun – 8 Jahre später –keine Fortschritte zu verzeichnen haben.

Lediglich durch private Initiativen und Investitionen bei Wärme- und Warmwasserversorgung konnten geringfügige CO2 Einsparungen erreicht werden.

Das Klimagutachten wurde jetzt auf Basis der Daten von 2017 fortgeschrieben.

Maßnahmen für Gewerbe, öffentliche Hand und Bürger*Innen

  • Reduzierung des Wärme- und Warmwasserverbrauch als Haupttreiber in privaten Haushalten durch die Erneuerung oder den Ersatz von Heizöl- (55% der Anlagen älter als 20 Jahre) und Gasanlagen (29,3 % älter 20 Jahre).
  • Zur Info: 58,7% der Gebäude wurden vor 1978 errichtet. Der Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern liegt bei 81,5% (Mehrfamilienhäuser 18,5%);
  • Ausbau Kraft-Wärme-Kopplung
  • Ausbau Wärmepumpen
  • Verstärkter Einbau von Holzfeuerungsanlagen
  • Energetische Sanierung von Gebäuden
  • Absenken des spezifischen Stromverbrauchs
  • Ausbau Photovoltaik
  • Ausbau ÖPNV, Radwegenetz, weniger Autoverkehr

Ziele bis 2030 laut Gutachter

  • Reduktion der CO2 Emissionen um 20% gegenüber 2020 (absolut und spezifisch)
  • Für Gebäude wird ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050 angestrebt (keine fossilen Energieträger bei Neubau und Sanierung)
  • Anteil von Öl am Wärmebedarf sinkt um 30% auf 10% des Wärmebedarfs
  • Anteil von Strom aus KWK soll auf 25% am Strombedarf steigen
  • Anteil erneuerbarer Energien am Strombedarf in Idstein soll auf 25% steigen
  • Anteil des motorisierten Individualverkehrs am Modal-Split sinkt um 10%

Konkrete Handlungsfelder für die Verwaltung

  • Aufbau einer lokalen Energieversorgung
  • Aufbau von KWK (objektbezogen/ Nahwärme) bei Gewerbe und Neubauprojekten
  • Verkehrskonzept (Reduzierung Autoverkehr, Erhöhung Fuß, Rad, ÖPNV)
  • Gehölzschutzsatzung
  • Erhalt und Ausbau bestehender Grünanlagen
  • Frischluft- und Grünflächenkonzept
  • Aufbau von Organisationsstrukturen (Idstein-Wärme-GmbH, Bürger-Solar-Genossenschaft, Klimaschutzmanager)
  • Stadt und Kreis müssen im Rahmen ihrer Kompetenzen für die Umsetzung und Kontrolle von Gesetzen zum Klimaschutz sorgen (Klimabeirat, Kontrolle durch STV)
  • Die Stadt Idstein geht mit gutem Beispiel voran (Photovoltaik, E- Fahrzeuge, Erhöhung Zuschüsse zu ÖPNV, etc.)
  • Die Stadt muss ihre Bürger beim Klimaschutz unterstützen (Klimatisch, Beratung, Förderprogramm, Förderung von Rad und ÖPNV, Gebäudesanierung, etc.)
  • Neubebauung von Grundstücken muss klimafreundlich sein (Baustoffe, Art der Gebäude, ausreichend Grün, Frischluftschneisen, etc.)

Empfehlungen des Gutachtens an die Verwaltung

  • Es bedarf der organisatorischen Absicherung des Umsetzungsprozesses durch die Stadt als Mediator und Organisator durch Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen, um Bürger und Investoren zum Handeln zu bewegen.
  • Klimaschutz muss als Querschnittsaufgabe der Stadtverwaltung verstanden werden, die unterschiedliche Bereiche der Verwaltung berührt. Daher müssen auch die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, um diese Querschnittsaufgabe angemessen zu bearbeiten.
  • Die Stadt muss ein Energiemanagement aufbauen, sie braucht ein Controlling, laufende Prozessbegleitung und personelle Absicherung.
  • Für einen Klimaschutzmanager können Fördermittel im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative beantragt werden. Basis hierfür ist die Aktualisierung des bisherigen, geförderten integrierten Klimaschutzkonzeptes. Die Förderung beträgt 40% der förderfähigen Kosten. Neben den Personalkosten können auch Sachmittel sowie Unterstützungsleistungen für den Klimaschutzmanager gefördert werden. Der Antrag muss innerhalb von drei Jahren nach Fertigstellung der Aktualisierung gestellt werden. Erforderliche Sachmittel für die Umsetzung des Konzeptes inklusive Fortbildung der Mitarbeiter liegen bei TEUR10 pro Jahr.

Es gilt der Grundsatz

 

Bei allen Beschlüssen ist die Relevanz für Klimaschutz zu prüfen. Ist dies der Fall, ist anzugeben, welche Klimaauswirkungen der Beschluss hat und ob er mit der Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzeptes vereinbar ist.

Konkrete Handlungsfelder

für die Bürger*Innen Idsteins und für das Gewerbe:

  • Verringerung des Wärmebedarfs (Wärmedämmung, etc.)
  • Reduzierung des Strombedarfs (inkl. Licht)
  • Erhöhung der erneuerbaren Energien (Photovoltaik, Solar, Pellets, etc.)
  • Vermeidung von Verpackungsmüll
  • Ernährungsverhalten
  • Konsumverhalten
  • Mobilitätsverhalten
  • Geldanlagen

Wir sind in Idstein dabei, wenn am 20. September überall auf der Welt Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Parisabkommen und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden.

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